Mit den ersten kalten Tagen beginnt auch wieder die Erkältungszeit – und bald die Grippesaison. Die echte Grippe, die Influenza, ist dabei keine harmlose Erkältung. Selbst in der vom Robert Koch-Institut als „mild“ eingestuften Saison 2025/2026 wurden deutschlandweit rund 240.000 Grippeinfektionen und knapp 2.200 Todesfälle gemeldet. In Jahren mit starken Grippewellen liegen die Zahlen weit höher.
Grippe oder Erkältung?
Eine Grippe beginnt meist plötzlich: mit hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen sowie großer Abgeschlagenheit. Eine Erkältung kommt dagegen eher schleichend mit Schnupfen und Halskratzen. Die Influenza kann zu ernsten Komplikationen wie einer Lungenentzündung führen und ist besonders für ältere und chronisch kranke Menschen gefährlich.
Warum man jedes Jahr neu impfen muss
„Die Grippeviren verändern sich jedes Jahr stark, entsprechend wird der Impfstoff an die neuen Virusvarianten angepasst. Daher muss der Schutz jedes Jahr erneuert werden“, erklärt Svenja Jung-Blumentrath, Fachärztin für Arbeitsmedizin bei TÜV Rheinland. Der ideale Zeitpunkt ist vor Beginn der Grippewelle, also von Oktober bis Mitte Dezember. Nach der Impfung dauert es etwa zwei Wochen, bis der Schutz aufgebaut ist.
Für wen die Impfung empfohlen ist
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung insbesondere für:
- alle Menschen ab 60 Jahren – für sie gibt es besonders wirksame Impfstoffe, etwa Hochdosis-Impfstoffe
- Schwangere ab dem vierten Schwangerschaftsmonat, bei Vorerkrankungen schon ab Beginn der Schwangerschaft
- Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen, etwa Asthma, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes oder neurologischen Erkrankungen
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem
- Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
Auch aus beruflichen Gründen sinnvoll
Grippeviren werden über Tröpfchen beim Husten und Niesen oder über Oberflächen übertragen – besonders leicht bei engem Kontakt mit vielen Menschen. Die STIKO empfiehlt die Impfung deshalb auch für Berufsgruppen mit erhöhtem Risiko:
- medizinisches Personal
- Beschäftigte mit viel Publikumsverkehr
- Mitarbeitende in Pflege- und Betreuungseinrichtungen
- Menschen mit direktem, regelmäßigem Kontakt zu bestimmten Tieren, etwa in der Nutztierhaltung, in Tierarztpraxen oder Schlachthöfen
Für diese Gruppen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Impfung. Viele Arbeitgeber bieten sie zudem über den Betriebsarzt an.
Große Impflücke in Deutschland
Gerade bei den Risikogruppen ist die Impfquote niedrig. Die Europäische Union strebt bei älteren Menschen eine Quote von 75 Prozent an. Deutschland erreichte in der Saison 2024/2025 bei den über 60-Jährigen nach Daten des Robert Koch-Instituts nur 34 Prozent, bei Erwachsenen mit Vorerkrankungen sogar nur 28 Prozent.
Auch wer nicht zu einer Risikogruppe gehört, kann sich impfen lassen. Je mehr Menschen geimpft sind, desto schlechter breiten sich die Viren aus. Das schützt auch diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.
Impfen in der Apotheke
Neben Hausarztpraxen bieten inzwischen viele Apotheken Impfungen gegen Grippe und COVID-19 an. In der letzten Saison wurden laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) fast 220.000 Menschen in Apotheken geimpft – doppelt so viele wie im Jahr davor. Rund die Hälfte der Deutschen könnte sich vorstellen, sich in der Apotheke impfen zu lassen.
„Jede Impfung gegen Grippe und Corona nützt nicht nur dem Geimpften selbst, sondern verhindert auch das Weitertragen der Infektion auf Mitmenschen“, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. Ob eine Apotheke in der Nähe impft, lässt sich über die Apothekensuche unter die-apotheken.de herausfinden oder direkt vor Ort erfragen. Am besten vorher anrufen und einen Termin ausmachen.
Wer unsicher ist, ob die Impfung für ihn sinnvoll ist, oder Vorerkrankungen hat, bespricht das am besten mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.
Quellen: TÜV Rheinland, Pressemitteilung vom 17.09.2026; ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Presseinformation vom 01.10.2026



