Ein Anruf, eine aufgeregte Stimme, eine furchtbare Nachricht: Ein naher Angehöriger liege nach einem schweren Unfall im Krankenhaus, eine Operation sei dringend nötig – aber nur, wenn sofort Geld fließt. Vor genau dieser Betrugsmasche warnen das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) und die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) gemeinsam. Die Täter geben sich dabei als Beschäftigte von Kliniken aus.
So gehen die Betrüger vor
Bei den sogenannten Schockanrufen behaupten die Anrufer, ein Familienmitglied sei nach einem Unfall oder wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung in eine Klinik eingeliefert worden. Im Gespräch bauen sie gezielt emotionalen und zeitlichen Druck auf und verlangen hohe Geldbeträge. Angeblich sei die Zahlung nötig, damit eine Behandlung, eine Operation oder die weitere medizinische Versorgung überhaupt stattfinden könne.
Der Druck ist Absicht: Wer glaubt, ein geliebter Mensch schwebe in Lebensgefahr, denkt kaum noch nüchtern nach. Deshalb kann es nach Einschätzung der Ermittler Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht treffen. Hinzu kommt, dass Betrüger mithilfe Künstlicher Intelligenz ihre Maschen noch glaubwürdiger gestalten können, etwa durch täuschend echte Stimmen.
Krankenhäuser verlangen nie Geld am Telefon
Die BKG stellt klar: Krankenhäuser fordern niemals telefonisch Geld von Angehörigen, um eine Behandlung durchzuführen oder fortzusetzen. Notfallbehandlungen und Operationen werden sofort vorgenommen und nicht von einer vorherigen Zahlung abhängig gemacht. Bargeld, Vorkasse oder die Übergabe von Wertsachen gehören grundsätzlich nicht zum Krankenhausalltag.
Das raten Polizei und Krankenhausgesellschaft
- Sofort auflegen, sobald Geld gefordert wird. Nicht mit dem Anrufer diskutieren.
- Die angeblich betroffene Person selbst unter der bekannten Telefonnummer anrufen – vorher unbedingt das Gespräch beenden.
- Niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben, auch nicht an angebliche Boten.
- Keine persönlichen oder finanziellen Daten am Telefon preisgeben.
- Im Zweifel die offizielle Nummer des Krankenhauses heraussuchen und sich mit der Station oder der Zentrale verbinden lassen.
- Aktiv den Notruf 110 wählen – auch hier vorher das laufende Telefonat bewusst beenden.
- Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit.
Mit Angehörigen darüber sprechen
Wer ältere Eltern, Großeltern oder Nachbarn hat, sollte mit ihnen über diese Masche sprechen. Hilfreich ist zum Beispiel eine einfache Absprache in der Familie: Niemand wird je am Telefon um Geld für eine Behandlung gebeten. Wichtige Telefonnummern von Familienmitgliedern sollten griffbereit notiert sein, damit ein Rückruf schnell möglich ist.
Wer einen solchen Anruf erhalten hat, sollte anschließend die betroffenen Angehörigen direkt kontaktieren und den Vorfall bei der örtlichen Polizeidienststelle anzeigen – auch dann, wenn kein Geld geflossen ist. Jede Anzeige hilft den Ermittlern, die Vorgehensweise der Täter besser nachzuvollziehen.
Quelle: Bayerisches Landeskriminalamt und Bayerische Krankenhausgesellschaft, Pressemitteilung vom 20.10.2026



