Die Deutsche Bahn will an ihren Gleisanlagen künftig wieder das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einsetzen. Das Thema Glyphosat Bahn sorgt damit erneut für Streit: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reagiert mit deutlicher Kritik und fordert, dass eine mögliche Genehmigung nur unter strengen Auflagen erteilt wird.
Seit 2023 ohne Glyphosat
Die Bahn hatte 2023 auf den Einsatz von Glyphosat verzichtet. Zum Vergleich: 2017 setzte sie noch rund 67 Tonnen des Wirkstoffs ein. Seit dem Ausstieg werden Pflanzen im Gleisbereich vor allem mechanisch entfernt, etwa mit Mähmaschinen. Wo chemische Mittel nötig waren, kam unter anderem Pelargonsäure zum Einsatz, die nach Angaben des BUND deutlich weniger giftig ist als Glyphosat.
Warum die Bahn zurück zu Glyphosat will
Nach Medienberichten will die Infrastrukturtochter DB InfraGO ab dem Frühjahr 2027 wieder Glyphosat einsetzen, in begrenztem Umfang. Die Anträge beim Eisenbahn-Bundesamt sind demnach bereits gestellt. Die Bahn begründet den Schritt so:
- Die Alternativen, besonders Pelargonsäure, wirken nach ihren Angaben schlecht.
- Mechanische Pflege braucht viel Personal und behindert teils den Zugverkehr.
- Bewuchs kann die Sicht auf Signale verdecken und Rettungswege einschränken.
- Die Kosten für die Vegetationspflege sind von rund 9 Millionen Euro im Jahr 2020 auf etwa 60 Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen.
Rechtlich wäre der Einsatz laut DB InfraGO derzeit auf etwa einem Drittel des Streckennetzes zulässig. Das heißt aber nicht, dass all diese Strecken behandelt werden.
BUND kritisiert Pläne zu Glyphosat: Bahn soll Alternativen nutzen
Daniela Wannemacher, Teamleiterin Landnutzung beim BUND, bezeichnet die Entscheidung als fatal für empfindliche Ökosysteme. Glyphosat schade der biologischen Vielfalt. Es sei richtig gewesen, dass die Bahn auf das Totalherbizid verzichtet habe. Umso bedauerlicher sei die Rückkehr zum alten Verfahren. Der Verband fordert, dass das Eisenbahn-Bundesamt eine Genehmigung „maximal restriktiv“ erteilt, mit der klaren Auflage, dass andere Methoden Vorrang haben.
Hintergrund: Genehmigung durch das Eisenbahn-Bundesamt
Bewuchs an Gleisen ist für den Bahnbetrieb ein echtes Problem: Pflanzen können das Schotterbett schwächen, die Entwässerung beeinträchtigen und Sicherheitsrisiken verursachen. Strittig ist, mit welchen Mitteln er entfernt wird. Der Einsatz von Glyphosat auf Flächen außerhalb der Landwirtschaft, die der Allgemeinheit dienen, ist wegen seiner Auswirkungen auf die Artenvielfalt stark eingeschränkt. Für Bahngleise muss das Eisenbahn-Bundesamt den Einsatz eigens genehmigen. Welche Abschnitte zugelassen werden und unter welchen Bedingungen, ist noch offen.
Was das für den Untermain bedeutet
Bahndämme und Gleisränder ziehen sich als schmale Bänder durch Städte und Landschaften, auch hier am Untermain, etwa entlang der Main-Spessart-Bahn oder der Strecke Aschaffenburg–Darmstadt. Für viele Insekten, Eidechsen und wärmeliebende Pflanzen sind solche Flächen wertvolle Lebensräume und Wanderkorridore. Wie dort mit Bewuchs umgegangen wird, hat deshalb Einfluss weit über das Gleisbett hinaus. Wie wichtig die Schiene für den Bachgau ist, zeigt auch die Diskussion um die Bachgaubahn.
Gut zu wissen: Glyphosat im eigenen Garten
Auch für Privatleute gelten strenge Regeln: Nach dem Pflanzenschutzgesetz ist der Einsatz von Unkrautvernichtern auf Wegen, Plätzen, Hofeinfahrten und anderen gepflasterten Flächen grundsätzlich verboten, Verstöße können teuer werden. Unkraut in Fugen lässt sich mit Fugenkratzer, Bürste oder heißem Wasser entfernen. Wer im Garten naturnah arbeitet, findet Anregungen etwa beim Vorgartenwettbewerb im Landkreis Aschaffenburg. Informationen zum Thema bietet der BUND.
Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Pressemitteilung vom 20.10.2026; ms-aktuell.de (dpa), „Deutsche Bahn plant Rückkehr zu Glyphosat auf Gleisen“


