Regen, früh einsetzende Dunkelheit, Staus auf der B469, Baustellen in Aschaffenburg und volle Busse – der Herbst macht das Homeoffice für viele besonders attraktiv. Wer nicht pendelt, spart Zeit und Nerven. Doch die Kehrseite: Man bewegt sich weniger, und der Arbeitsplatz zu Hause ist oft improvisiert. Der Laptop auf dem Küchentisch, der Esszimmerstuhl als Bürostuhl – auf Dauer rächt sich das an Nacken und Rücken. Wie man das Homeoffice rückenfreundlich einrichtet, ohne viel Geld auszugeben, erklärt die Aktion Gesunder Rücken.
„Das muss nicht sein“, sagt Dirk Hinck vom Vorstand der Aktion Gesunder Rücken (AGR). „Mit etwas Kreativität und kleinen Hilfsmitteln bietet gerade das Arbeiten von zu Hause aus Vorteile für die Rückengesundheit, ohne dass gleich teure Anschaffungen nötig sind.“
Jeder Vierte arbeitet zumindest teilweise zu Hause
Seit Jahren arbeitet rund ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland zumindest zeitweise von zu Hause, im Dienstleistungssektor waren es im August 2026 sogar gut 35 Prozent. Wie stark sich das auf die Gesundheit auswirken kann, zeigt eine Studie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: Mehr als 40 Prozent der Befragten mit Bildschirmarbeit klagten über Nacken- oder Rückenbeschwerden. 15 Prozent hatten im Homeoffice völlig neue Beschwerden entwickelt, bei weiteren 19 Prozent hatten sich bestehende verschlimmert. Je schlechter die Ausstattung, desto höher das Risiko.
Homeoffice rückenfreundlich: Kleine Hilfsmittel mit großer Wirkung
Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist eine gute Investition, aber längst nicht die einzige Möglichkeit:
- Externe Tastatur und Maus: Wer am Laptop arbeitet, schaut zwangsläufig nach unten. Mit separater Tastatur und Maus kann der Bildschirm höher stehen – etwa auf einem Laptopständer oder einem Stapel Bücher. Die Oberkante des Bildschirms sollte etwa auf Augenhöhe liegen.
- Ergonomische Tastaturen und Mäuse: Sie verhindern, dass die Handgelenke abknicken, und beugen damit nicht nur Handschmerzen, sondern auch Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich vor.
- Dynamische Sitzauflage: Ein Ballkissen macht aus einem normalen Küchenstuhl ein deutlich rückenfreundlicheres Sitzmöbel, weil es ständig kleine Bewegungen und Positionswechsel erzeugt.
- Tischaufsätze: Sie verwandeln einen vorhandenen Tisch im Handumdrehen in einen Stehplatz.
Die beste Haltung ist die nächste
Das beste Mobiliar hilft jedoch wenig, wenn der Arbeitstag zum Sitzmarathon wird. Für den Rücken zählen vor allem Bewegung und häufige Positionswechsel – und hier kann das Homeoffice sogar punkten, weil man räumlich flexibler ist als im Großraumbüro.
„Stehen Sie beim Online-Meeting auf einem Balancekissen am Sideboard, laufen Sie beim Telefonieren in der Wohnung herum oder legen Sie sich aufs Sofa, wenn Sie Mails und Unterlagen lesen“, empfiehlt Hinck.
Ein paar weitere Anregungen für den Alltag:
- Den Drucker oder das Wasserglas bewusst etwas weiter weg stellen – so steht man öfter auf.
- Telefonate grundsätzlich im Stehen oder Gehen führen.
- Feste Bewegungspausen einplanen, etwa einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause. Gerade im Herbst tankt man dabei auch Tageslicht.
- Den „Arbeitsweg“ ersetzen: Wer sonst zur Arbeit radelt oder läuft, kann morgens eine kurze Runde um den Block drehen, bevor der Rechner hochfährt.
Licht, Raumklima und Pausen
Nicht nur Stuhl und Tisch entscheiden über Verspannungen. Steht der Bildschirm direkt vor dem Fenster oder mit dem Rücken dazu, blendet das Licht oder spiegelt sich im Monitor – man nimmt unbewusst eine verdrehte Haltung ein. Günstiger ist ein Platz, an dem das Tageslicht seitlich einfällt. In der dunklen Jahreszeit hilft eine zusätzliche, blendfreie Schreibtischlampe.
Auch die Temperatur spielt eine Rolle: Wer friert, zieht die Schultern hoch und verspannt. Gleichzeitig steigen die Heizkosten, wenn man den ganzen Tag zu Hause arbeitet. Wie viel Heizen derzeit kostet und wo sich sparen lässt, steht in unserem Beitrag zum Heizspiegel 2026. Regelmäßiges Stoßlüften sorgt zudem für frische Luft und hält konzentriert.
Orientierung beim Kauf
Wer neue Möbel oder Zubehör anschaffen möchte, steht vor einem riesigen Angebot. Eine Orientierung bietet das Gütesiegel „Geprüft & empfohlen“ der Aktion Gesunder Rücken. Es wird von einem unabhängigen Gremium aus Medizinern, Therapeuten und Sportwissenschaftlern vergeben. Ausprobieren bleibt trotzdem das Wichtigste: Ein Stuhl muss zum eigenen Körper passen.
Weitere Tipps gibt es unter agr-ev.de/homeoffice. Wichtig: Wer trotz aller Maßnahmen länger anhaltende Schmerzen hat, sollte diese ärztlich abklären lassen.
Kurse und Unterstützung
Wer gezielt etwas für den Rücken tun möchte, findet in Stadt und Landkreis Aschaffenburg Rückenkurse bei Volkshochschulen, Sportvereinen und Physiotherapiepraxen. Viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen zertifizierte Präventionskurse oder übernehmen einen Teil der Kosten – eine Nachfrage bei der eigenen Kasse lohnt sich. Arbeitnehmer können außerdem beim Arbeitgeber nachfragen: Einige Unternehmen stellen Bildschirm, Tastatur oder Stuhl auch für das Homeoffice zur Verfügung.
Häufige Fragen zum rückenfreundlichen Homeoffice
Wie hoch sollte der Bildschirm stehen?
Die Oberkante sollte etwa auf Augenhöhe oder leicht darunter liegen, der Abstand ungefähr eine Armlänge betragen. So bleibt der Kopf aufrecht.
Wie oft sollte man aufstehen?
Als Faustregel gilt: mindestens einmal pro halbe Stunde die Position wechseln oder kurz aufstehen. Ein Wecker oder eine Erinnerung im Kalender hilft beim Einhalten.
Ist das Arbeiten auf dem Sofa schädlich?
Für kurze Phasen wie das Lesen von Unterlagen ist ein Positionswechsel aufs Sofa sogar sinnvoll. Für längeres Tippen eignet es sich nicht, weil Kopf und Arme dabei ungünstig gehalten werden.




Schreibe einen Kommentar