Liebevolle Eltern, gesundes Essen, viel Bewegung und frische Luft – so stellen sich die meisten ein gutes Aufwachsen vor. Doch für viele Kinder gehören auch Zigarettenrauch und das Feierabendbier zum Alltag. Eine Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse unter rund 1.000 Eltern zeigt, wie verbreitet Tabak und Alkohol in Familien sind. Für Eltern ist das ein guter Anlass, das eigene Vorbild zu überdenken – denn rauchende Eltern prägen ihre Kinder stärker, als vielen bewusst ist.
Jedes vierte Elternteil raucht
Laut der Umfrage rauchen 27 Prozent der befragten Mütter und Väter Zigaretten, Zigarillos oder Pfeife. 17 Prozent davon greifen nach eigenen Angaben täglich zur Zigarette. Noch verbreiteter ist Alkohol: Drei Viertel der Eltern trinken, jede beziehungsweise jeder Zehnte davon täglich oder mehrmals pro Woche. Gerade der tägliche Konsum kann ein Hinweis auf eine Abhängigkeit sein.
Rauchende Eltern: Kinder kopieren, was sie sehen
„Wenn Eltern Alkohol und Tabak konsumieren, kann dies nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die körperliche und seelische Entwicklung ihres Nachwuchses stark beeinträchtigen“, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm – vor allem dann, wenn in Anwesenheit der Kinder geraucht und getrunken wird.
Kinder nehmen sehr früh wahr, wie ihre Eltern mit Suchtmitteln umgehen. Schon im Vorschulalter ahmen sie rauchende Eltern spielerisch nach. Daraus kann die Vorstellung entstehen, Rauchen sei harmlos oder einfach normal für Erwachsene. Kinder rauchender Eltern greifen später deutlich häufiger selbst zur Zigarette – besonders, wenn beide Elternteile rauchen. Wer nur außer Sichtweite der Kinder raucht, senkt das Risiko zwar, ganz verschwindet es aber nicht.
Ähnlich ist es beim Alkohol. Er gilt als Kulturgut, ist überall erhältlich und gesellschaftlich akzeptiert. Wenn Kinder erleben, dass der Feierabend mit einem Bier beginnt oder Stress mit einem Glas Wein „weggespült“ wird, übernehmen sie dieses Muster womöglich, statt andere Wege im Umgang mit Belastungen kennenzulernen. Hinzu kommt, dass süße Mischgetränke Alkohol für Jugendliche oft harmloser wirken lassen, als er ist – warum dort nicht immer ein Warnhinweis steht, haben wir in diesem Beitrag erklärt.
Besonders belastend: Sucht in der Familie
Besonders schwer haben es Kinder, deren Eltern alkoholabhängig sind. Sie fühlen sich oft alleingelassen und überfordert und suchen die Schuld nicht selten bei sich selbst. Manche bringen keine Freunde mehr mit nach Hause, andere übernehmen Aufgaben, für die sie noch viel zu jung sind – etwa die Versorgung jüngerer Geschwister oder den Haushalt. Schule und Freundschaften leiden darunter. Wichtig ist, diesen Kindern klarzumachen: Sie tragen keinerlei Verantwortung für die Sucht ihrer Eltern.
Passivrauchen: Warum Rauch im Auto und in der Wohnung besonders schadet
Neben der Vorbildwirkung geht es auch um die direkte Belastung. Kinder atmen schneller als Erwachsene und nehmen Schadstoffe aus dem Tabakrauch deshalb stärker auf. Passivrauchen erhöht bei ihnen unter anderem das Risiko für Atemwegsinfekte, Asthmaanfälle und Mittelohrentzündungen. Besonders hoch ist die Belastung in kleinen, geschlossenen Räumen wie dem Auto. Auch Lüften oder ein leicht geöffnetes Fenster beseitigen die Schadstoffe nicht vollständig, und ein Teil davon setzt sich in Polstern, Vorhängen und Kleidung fest.
Was Eltern tun können
- Vorbild sein: Nicht in Gegenwart der Kinder rauchen – weder in der Wohnung noch im Auto.
- Offen reden: Kindern altersgerecht erklären, warum Rauchen und Alkohol schaden.
- Andere Wege zeigen: Stress lieber mit Bewegung, Gesprächen oder Entspannung begegnen als mit Glas oder Zigarette.
- Hilfe annehmen: Wer aufhören möchte, findet Unterstützung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, bei Krankenkassen und Suchtberatungsstellen. Das Rauchfrei-Telefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit ist unter 0800 8 31 31 31 kostenlos erreichbar.
Hilfe in Stadt und Landkreis Aschaffenburg
Wer den eigenen Konsum hinterfragen möchte oder sich Sorgen um ein Familienmitglied macht, muss das nicht allein klären. Die Caritas Aschaffenburg bietet eine Suchtberatung an, die auch Angehörige berät, sowie Erziehungsberatungsstellen für Stadt und Landkreis. Die Gespräche sind vertraulich. Erste Anlaufstelle kann außerdem die Hausarztpraxis sein. Viele Krankenkassen bezuschussen Kurse zur Rauchentwöhnung.
Kinder und Jugendliche, die sich wegen der Situation zu Hause Sorgen machen, erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111 kostenlos und anonym. Speziell an Kinder aus suchtbelasteten Familien richtet sich der Verein NACOA Deutschland.
Häufige Fragen zu rauchenden Eltern und Kindern
Reicht es, auf dem Balkon zu rauchen?
Das ist deutlich besser als in der Wohnung, schützt aber nicht vollständig: Rauch zieht durch offene Türen und Fenster herein, und Schadstoffe haften an Kleidung und Haaren. Am wirksamsten ist der Rauchstopp.
Ab welchem Alter sollte man mit Kindern über Alkohol und Zigaretten sprechen?
Sobald Kinder Fragen stellen – oft schon im Kindergartenalter. Kurze, ehrliche und altersgerechte Antworten wirken besser als Verbote ohne Erklärung.
Ist ein Bier zum Feierabend schon ein schlechtes Vorbild?
Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob Kinder Alkohol als Mittel gegen Stress oder als festes Ritual erleben. Alkoholfreie Tage und andere Formen der Entspannung zeigen, dass es auch ohne geht.




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