Bayerns stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist tot. Der 55-jährige Vorsitzende der Freien Wähler wurde am Mittwochabend, 4. November 2026, in einem Hotelzimmer in Berlin-Mitte leblos aufgefunden. Ministerpräsident Markus Söder hat für alle staatlichen Dienstgebäude in Bayern Trauerbeflaggung angeordnet, auch in Aschaffenburg, Großostheim und im Landkreis Miltenberg.
Tod in Berlin
Aiwanger war in Berlin, um die Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler zu begleiten. Eine geplante Rede und ein Interview am Mittwoch musste er aus gesundheitlichen Gründen absagen, für ihn sprang der bayerische Staatsminister Fabian Mehring ein. Aiwanger blieb in seinem Hotel und war später nicht mehr erreichbar. Am frühen Abend wurde er tot aufgefunden. Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin haben, wie bei unklaren Todesfällen üblich, ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Behörden von einem natürlichen Tod aus, Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nicht. Eine Obduktion soll Klarheit über die Todesursache bringen.
Hubert Aiwanger hinterlässt seine Lebensgefährtin und zwei Kinder.
Trauerbeflaggung auch in unserer Region
Die Bayerische Staatskanzlei hat angeordnet, dass an allen Dienstgebäuden des Freistaats die Flaggen auf halbmast gesetzt werden, und zwar am Donnerstag, 5. November, sowie am Tag der Beisetzung. Gemeinden, Landkreise und andere öffentliche Stellen sind gebeten, sich anzuschließen. Damit gilt die Trauerbeflaggung auch für staatliche Behörden in Stadt und Landkreis Aschaffenburg und im Landkreis Miltenberg. Ob sich der Markt Großostheim und die übrigen Kommunen anschließen, entscheiden die Rathäuser selbst. Für Schaafheim im hessischen Teil des Bachgaus gilt die bayerische Anordnung nicht.
Ministerpräsident Söder nannte den Tod seines Stellvertreters einen Schock. Aiwanger habe eine tiefe Lücke in die bayerische Politik gerissen. Die Koalition aus CSU und Freien Wählern wolle die gemeinsame Arbeit fortsetzen. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Politiker anderer Parteien und Bundesländer äußerten ihre Bestürzung.
Vom Landwirt zum Vize-Regierungschef
Hubert Aiwanger wurde am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach im Landkreis Landshut geboren. Nach dem Abitur in Mallersdorf-Pfaffenberg und dem Wehrdienst studierte er Agrarwissenschaften in Weihenstephan und schloss als Agraringenieur ab. Kurz vor der Kommunalwahl 2002 trat er den Freien Wählern bei, wurde Gemeinderat in Rottenburg an der Laaber und Kreisrat im Landkreis Landshut.
2006 übernahm er den Landesvorsitz der Freien Wähler Bayern, 2010 auch den Bundesvorsitz. Seit 2008 saß er im Bayerischen Landtag. Nach der Landtagswahl 2018 bildeten die Freien Wähler erstmals eine Koalition mit der CSU, Aiwanger wurde am 12. November 2018 stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Bei der Landtagswahl 2023 gewann er zudem das Direktmandat im Stimmkreis Landshut. Der Einzug in den Bundestag gelang seiner Partei 2025 nicht.
Aiwanger galt als kantiger, volksnaher Politiker, der mit deutlichen Worten und niederbayerischem Dialekt polarisierte. Kurz vor der Landtagswahl 2023 geriet er wegen eines antisemitischen Flugblatts aus seiner Schulzeit stark in die Kritik. Er bestritt, es verfasst zu haben, sein Bruder bekannte sich dazu. Söder hielt an ihm als Minister fest.
Was er für den Bachgau bedeutete
Als Wirtschafts- und Energieminister war Aiwanger auch für die Unternehmen am bayerischen Untermain zuständig: von der Wirtschaftsförderung über die Energiewende bis zur Landesentwicklung. Sein Ministerium vergab Fördermittel an Betriebe und Kommunen in der Region und war für Themen wie Windkraft, Stromnetze und Gewerbeansiedlung mitverantwortlich, die auch in Großostheim und den Nachbargemeinden immer wieder diskutiert werden.
Am bayerischen Untermain sorgte er auch für Widerspruch. Im Streit um die geplante Biosphärenregion Spessart sprach er sich bei einem Besuch in Rechtenbach deutlich gegen das Vorhaben aus. Daraufhin kritisierten unter anderem die Landräte von Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart in einem offenen Brief seine Haltung.
Wie es weitergeht
Wer Aiwangers Ämter als stellvertretender Ministerpräsident, Wirtschaftsminister und Parteivorsitzender übernimmt, ist noch offen. Auch der Termin der Beisetzung steht noch nicht fest. Wir berichten, sobald es Neuigkeiten gibt, insbesondere zu Kondolenzmöglichkeiten in der Region.




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