Mit Kursen, einer Ausstellung und einem Filmabend setzen Beratungsstellen und Behörden am Bayerischen Untermain in den kommenden Wochen ein Zeichen: Der Aktionszeitraum „Nein zu Gewalt“ in Stadt und Landkreis Aschaffenburg läuft bis Ende November. Anlass ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. Mehrere Angebote richten sich ausdrücklich an Mädchen, Jungen und Frauen, die lernen wollen, Grenzen zu setzen.
Nein zu Gewalt in Aschaffenburg: Darum geht es
Häusliche und sexualisierte Gewalt findet oft im Verborgenen statt. Der Aktionszeitraum soll das Thema sichtbar machen, Betroffenen Wege zur Hilfe zeigen und Kinder und Jugendliche stärken. Das Programm hat das Landratsamt Aschaffenburg auf seiner Internetseite veröffentlicht. Viele Kurse werden von SEFRA e. V. angeboten, der Notruf- und Fachberatungsstelle für Frauen in Aschaffenburg, die auch den regionalen Arbeitskreis gegen häusliche und sexualisierte Gewalt leitet.
Wie ernst die Lage ist, zeigt eine Zahl, auf die das Landratsamt im Rückblick auf das Vorjahr verwies: Laut Lagebild des Bundeskriminalamts stieg die Zahl der frauenfeindlichen Straftaten von 2023 auf 2024 um 73,3 Prozent. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Selbstbehauptungskurse für Mädchen, Jungen und Frauen
Alle Kurse finden in Aschaffenburg in der Schweinheimer Straße 15 (Volkshochschule) statt. Eine Anmeldung ist jeweils nötig, teils mit Frist:
- Samstag, 31. Oktober, 10 bis 16 Uhr: WenDo-Tageskurs für Mädchen von 8 bis 11 Jahren, 60 Euro.
- 7. und 8. November, jeweils 10 bis 14.30 Uhr: WenDo für Mädchen von 12 bis 15 Jahren, 80 Euro – Anmeldung bis 30. Oktober.
- 14. und 15. November: „Coole Jungs – starke Kerle“ für Jungen der 1. und 2. Klasse (Samstag ab 10 Uhr, Sonntag bis 13 Uhr) sowie für Jungen der 3. bis 5. Klasse (jeweils 14 bis 17 Uhr), je 73 Euro – Anmeldung bis 7. November.
- 28. und 29. November, jeweils 10 bis 15 Uhr: WenDo für Frauen ab 16 Jahren, 90 Euro.
WenDo steht für einen Ansatz, der Selbstbehauptung und einfache Selbstverteidigung verbindet: Die Teilnehmerinnen üben, laut und deutlich Nein zu sagen, sich Hilfe zu holen und mit Angst umzugehen. Das Jungentraining setzt auf Situationen aus dem Schulalltag – etwa wenn Ältere drohen oder Sachen wegnehmen – und zeigt, wie man Konflikte ohne Gewalt löst. Anmeldung und Infos gibt es bei SEFRA e. V., Frohsinnstraße 19, Telefon 06021 24728.
Ausstellung, Fachtagung und Filmabend
- Donnerstag, 12. November, 18 Uhr: Vernissage der Ausstellung „Weiblich geboren“ im Bibliothekszentrum des Landkreises, An der Maas 2 in Hösbach. Die Bildersammlung zeigt, wie Frauen wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden; zu sehen bis 27. November, Eintritt frei.
- Dienstag, 17. November, 10 bis 12 Uhr: öffentlicher Vortrag zum Thema weibliche Genitalbeschneidung im Martinushaus, Treibgasse 26; danach Workshops für Fachkräfte. Anmeldung über das Landratsamt.
- Dienstag, 24. November, 18 Uhr: Dokumentarfilm „Girls Don’t Cry“ im Casino-Kino, Ohmbachgasse 1, mit anschließendem Gespräch, 12 Euro.
Für Fachleute gibt es bereits am 27. Oktober einen Fachnachmittag zum Thema häusliche Gewalt gegen Männer im MIZ in der Badergasse.
Rote Bänke auch im Bachgau
Sichtbares Zeichen der Kampagne sind rote Bänke. Im Herbst 2025 wurde eine solche Bank in Wenigumstadt aufgestellt – nach Angaben des Landratsamts die achte im Landkreis. Weitere kamen am Landratsamt und in der Herstallstraße in Aschaffenburg hinzu. Eine Übersicht gibt es unter rote-bank-ab.de. Über frühere Aktionen gegen Sexismus hatten wir etwa zum Weltfrauentag berichtet.
Gut zu wissen: Hier gibt es Hilfe
Wer Gewalt erlebt oder sich um jemanden sorgt, findet kostenlose und vertrauliche Unterstützung:
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, rund um die Uhr, auch in vielen Sprachen
- SEFRA e. V., Notruf und Fachberatungsstelle: 06021 24728
- AWO Frauen- und Kinderschutzhaus Bayerischer Untermain: 06021 24455, rund um die Uhr erreichbar
- Sozialdienst katholischer Frauen Aschaffenburg: 06021 27806
- In akuter Gefahr: Polizei unter 110
Weitere Anlaufstellen, etwa die Familienstützpunkte wie das MOSAIK in Großostheim, listet das Landratsamt auf seiner Themenseite. Einen Überblick über Gesundheits- und Beratungsangebote im Landkreis gab zuletzt auch der Beratungsbus auf den Wochenmärkten.
Termin im Kalender: „Girls Don’t Cry“ im Casino (24. November) – auf wohin.bachgau.social lässt er sich direkt in den eigenen Kalender übernehmen.




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