Mittwoch, 28. Oktober 2026

Bachgau.Social

Unabhängige Presse & dezentrale Netzwerke

Gesundheit

CBD: Was Cannabidiol ist und was die Forschung sicher weiß

5
(3)

CBD-Öle, Kapseln, Cremes und sogar Gummibärchen mit Cannabidiol werden überall angeboten, im Internet, in Drogerien und in eigenen Hanfläden. Die Werbung verspricht oft viel. Was ist CBD eigentlich, was ist wissenschaftlich gesichert, welche Risiken gibt es, und wie ist die Rechtslage in Deutschland? Ein sachlicher Überblick.

Was ist CBD?

CBD steht für Cannabidiol, einen der vielen Inhaltsstoffe der Hanfpflanze. Anders als THC (Tetrahydrocannabinol) wirkt CBD nicht berauschend. CBD wird meist aus Nutzhanf gewonnen und als Extrakt in Öle, Kapseln oder Kosmetik gemischt. Mit der seit 2024 geltenden Teil-Legalisierung von Cannabis hat CBD nur am Rande zu tun, denn für CBD-Produkte gelten vor allem das Lebensmittel- und das Arzneimittelrecht.

Wie wirkt CBD im Körper?

CBD beeinflusst unter anderem das sogenannte Endocannabinoid-System, ein körpereigenes Signalsystem, das an vielen Vorgängen beteiligt ist. Wie genau CBD dort und an anderen Stellen im Körper wirkt, ist noch nicht vollständig verstanden. Im Labor und in Tierversuchen wurden verschiedene Effekte beobachtet. Daraus folgt aber noch nicht, dass ein CBD-Produkt beim Menschen eine bestimmte Wirkung hat.

Das einzige zugelassene CBD-Arzneimittel

Als Arzneimittel ist CBD in der EU bislang nur in einem Fall zugelassen: Das verschreibungspflichtige Medikament Epidyolex wird bei bestimmten seltenen, schweren Epilepsieformen im Kindesalter eingesetzt, dem Lennox-Gastaut-Syndrom und dem Dravet-Syndrom. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte die Zulassung 2019 empfohlen, 2021 kam die Anwendung bei Epilepsie infolge Tuberöser Sklerose hinzu. Das Medikament ist genau dosiert, geprüft und wird ärztlich überwacht. Mit frei verkäuflichen CBD-Ölen ist es nicht vergleichbar.

Was die Forschung sonst sagt

Für die vielen anderen Anwendungen, mit denen CBD-Produkte beworben werden, etwa Schmerzen, Schlafprobleme, Stress oder Entzündungen, reicht die Studienlage laut Verbraucherzentrale nicht für gesicherte Aussagen aus. Die Stiftung Warentest fand bei keinem der von ihr getesteten Produkte ausreichende wissenschaftliche Belege für die beworbenen Effekte. Gesundheitsbezogene Werbeaussagen sind für CBD-Lebensmittel nicht erlaubt.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

CBD ist nicht frei von Risiken. Die Verbraucherzentrale nennt als häufige Nebenwirkungen unter anderem Schläfrigkeit, Benommenheit, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Durchfall und Appetitlosigkeit. Eine US-Studie aus dem Jahr 2025 deutet auf mögliche Leberschäden auch bei niedrigen Dosen hin. Wer eine Lebererkrankung hat, sollte CBD nicht einnehmen.

Besonders wichtig sind Wechselwirkungen: CBD hemmt Enzyme, mit denen der Körper Arzneimittel abbaut. Dadurch können andere Medikamente stärker oder schwächer wirken. Bekannt sind Wechselwirkungen mit Dutzenden Wirkstoffen, darunter Psychopharmaka, Blutverdünner und Antibiotika. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte vor einer Einnahme mit Arzt oder Apotheke sprechen.

Rechtslage: Warum CBD-Öl kein normales Lebensmittel ist

CBD in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gilt in der EU als neuartiges Lebensmittel (Novel Food). Solche Lebensmittel brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung, die es für CBD bislang nicht gibt. Darauf weist auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hin. Mehrere Gerichte haben diese Einordnung bestätigt. Produkte, die als Aromaöl oder Kosmetik deklariert werden, aber zum Einnehmen gedacht sind, werten Gerichte als Umgehungsversuch.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat inzwischen eine vorläufige sichere Aufnahmemenge genannt: etwa 2 Milligramm CBD pro Tag für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen, und das nur für hochreines CBD. Für Menschen unter 25 Jahren, Schwangere, Stillende und Personen, die Medikamente einnehmen, konnte die EFSA die Sicherheit nicht bestätigen. Viele Produkte im Handel liegen bei der empfohlenen Tagesmenge deutlich darüber.

THC-Spuren und falsche Gehaltsangaben

Auch die Qualität ist ein Thema. Laut Verbraucherzentrale fand das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in 20 von 26 untersuchten CBD-Ölen THC, bei einigen Produkten in bedenklichen Mengen. THC-Spuren können zu positiven Drogentests führen, etwa bei Verkehrskontrollen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab außerdem, dass der tatsächliche CBD-Gehalt im Schnitt rund ein Fünftel über den Herstellerangaben lag.

Worauf Verbraucher achten sollten

  • Bei Beschwerden zuerst zum Arzt. CBD-Produkte ersetzen keine Diagnose und keine Behandlung.
  • Vor der Einnahme mit Arzt oder Apotheke sprechen, vor allem bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder Lebererkrankungen.
  • Unter 25 Jahren, in Schwangerschaft und Stillzeit auf CBD verzichten.
  • Heilversprechen und Kundenbewertungen kritisch lesen. Werbung mit Krankheitsbezug ist bei Lebensmitteln verboten.
  • Vor Autofahrten bedenken, dass THC-Spuren in Produkten nachweisbar sein können.

Häufige Fragen

Ist CBD legal?

CBD selbst ist kein Betäubungsmittel. CBD-Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind in der EU aber ohne Novel-Food-Zulassung nicht verkehrsfähig. Als Arzneimittel ist CBD nur verschreibungspflichtig bei bestimmten Epilepsieformen zugelassen.

Macht CBD high?

Nein, CBD wirkt nicht berauschend. Produkte können aber Spuren von THC enthalten, die nachweisbar sind.

Hilft CBD gegen Schmerzen oder Schlafprobleme?

Dafür reicht die wissenschaftliche Datenlage bisher nicht aus. Wer unter anhaltenden Schmerzen oder Schlafstörungen leidet, sollte ärztlichen Rat einholen.

Unterstützen

Möchtest du dich unserem Team anschließen und unsere unabhängigen Artikel erweitern? Wir sind eine ehrenamtliche Gruppe, die aus Überzeugung schreibt und keine Werbung schaltet oder Geld von staatlichen oder kommerziellen Organisationen annimmt. Du kannst uns dabei helfen, indem du uns eine einmalige Spende gibst, regelmäßig beiträgst oder unserem Blog folgst. Wir haben auch eine Amazon-Wunschliste mit Produkten, die wir zum Ausbau unseres Blogs und unserer Fediverse-Dienste verwenden können. Du kannst uns auch über Steady mit einer kleinen Spende unterstützen und, falls gewünscht, in unseren Beiträgen als Unterstützer erwähnt werden. Du kannst uns auch über Paypal am einfachsten unter paypal.me/bachgausocial unterstützen. Bitte teile unsere Artikel in deinem Netzwerk! Du findest mehr Nachrichten und Informationen über den Landkreis und den Landkreis Aschaffenburg auf unserem Mastodon-Server.

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 3

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kein Artikel mehr verpassen

Die Meldungen aus dem Bachgau und dem Landkreis – per E-Mail oder direkt im Fediverse.

Mastodon Friendica Pixelfed Matrix RSS

Loading

Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner