Die Uhren sind umgestellt, um 17 Uhr ist es dunkel, morgens hängt Nebel über dem Bachgau. Viele Menschen fühlen sich in dieser Jahreszeit schlapper und gedrückter als im Sommer. Meist ist das harmlos. Bei manchen steckt aber eine Winterdepression dahinter – eine Erkrankung, die man behandeln kann. Gegen eine Winterdepression gibt es in Aschaffenburg und der Region Anlaufstellen, die schnell und oft kostenlos helfen.
Winterblues oder Winterdepression?
Trübes, regnerisches Herbst- und Winterwetter drückt bei vielen auf die Stimmung. Nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe führt das aber nicht zwangsläufig zu einer depressiven Erkrankung. Von einer saisonal abhängigen Depression sprechen Fachleute, wenn depressive Beschwerden immer wieder zur gleichen Jahreszeit auftreten, typischerweise im Herbst und Winter.
Das Gesundheitsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt als Hauptursache den Lichtmangel in den dunklen Monaten. Meist verschwinden die Beschwerden im Frühling wieder. Saisonale Depressionen verlaufen in der Regel milder und sind seltener als andere Formen. Wichtig: Die meisten Depressionen, die im Winter auftreten, sind keine saisonalen – auch deshalb gehört die Einschätzung in fachliche Hände.
Typische Anzeichen
Bei einer Winterdepression treten die bekannten Merkmale einer Depression auf, etwa gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und Rückzug. Häufig zeigen sich nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe aber auch untypische Beschwerden:
- mehr Schlaf statt Schlaflosigkeit,
- Heißhunger, oft auf Süßes, statt Appetitlosigkeit,
- starke Müdigkeit und Erschöpfung am Tag.
Wer über mehr als zwei Wochen kaum noch Freude empfindet, sich zu nichts aufraffen kann oder sich zunehmend zurückzieht, sollte das ärztlich abklären lassen. Erste Ansprechperson ist die Hausarztpraxis.
Was hilft: Licht, Bewegung, Behandlung
Viele Studien sprechen laut Deutscher Depressionshilfe dafür, dass eine Lichttherapie wirkt – gerade bei der saisonalen Form. Dabei sitzt man regelmäßig vor einer speziellen, sehr hellen Tageslichtlampe. Wie lange und wie hell, sollte mit Arzt oder Ärztin abgesprochen werden. Bei schwereren Verläufen kommen Psychotherapie und Medikamente infrage, so wie bei anderen Depressionen auch.
Im Alltag hilft vielen, möglichst viel natürliches Tageslicht abzubekommen – etwa mit einem Spaziergang in der Mittagszeit. Auch wolkiges Tageslicht ist heller als normale Zimmerbeleuchtung. Bewegung an der frischen Luft, feste Tagesstrukturen und Kontakte zu anderen Menschen tun ebenfalls gut. Anregungen für Touren direkt vor der Haustür gibt es in unserem Radtour-Tipp zur Bachgau-Tour.
Winterdepression Aschaffenburg: Hier gibt es Hilfe
Wer Unterstützung sucht, findet in Stadt und Landkreis Aschaffenburg mehrere Anlaufstellen:
- Krisendienst Unterfranken: Telefon 0800 655 3000, täglich rund um die Uhr, kostenlos – für Menschen in seelischen Krisen und ihre Angehörigen in Bayern, also auch in Großostheim. Mehr unter krisendienste.bayern.
- Sozialpsychiatrischer Dienst am Gesundheitsamt Aschaffenburg, Merlotstraße 1–3: Telefon 06021 394-186.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Telefon 116117, wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist.
- Psychotherapeutensuche: Freie Plätze lassen sich über die Terminservicestelle 116117 und die Suche der Psychotherapeutenkammer Bayern finden.
- Selbsthilfe: Die Stadt Aschaffenburg gibt einen Wegweiser zu Selbsthilfegruppen heraus; Gruppen bundesweit vermittelt die NAKOS.
Rund um die Uhr, kostenlos und anonym ist die Telefonseelsorge erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – auch für Menschen in Schaafheim und den hessischen Ortsteilen. Das Info-Telefon Depression der Deutschen Depressionshilfe ist unter 0800 33 44 533 montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr erreichbar. In akuten Notfällen gilt: Notruf 112.
Weitere Anlaufstellen rund um seelische Gesundheit haben wir in unserem Beitrag zu ADHS bei Erwachsenen in Aschaffenburg zusammengestellt.
Häufige Fragen
Hilft eine Tageslichtlampe aus dem Handel?
Lichttherapie gilt bei saisonaler Depression als wirksam. Welche Lampe geeignet ist und wie sie angewendet wird, sollte man vorher ärztlich besprechen – besonders bei Augenerkrankungen oder wenn man Medikamente nimmt, die lichtempfindlich machen.
Ist jede Winterdepression gleich eine schwere Erkrankung?
Nein. Saisonale Depressionen verlaufen meist milder als andere Formen. Behandelt werden sollten sie trotzdem, weil sie den Alltag stark beeinträchtigen können.
Was können Angehörige tun?
Zuhören, ernst nehmen und zur ärztlichen Abklärung ermutigen. Auch Angehörige können sich beim Krisendienst oder beim Info-Telefon Depression beraten lassen.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.




Schreibe einen Kommentar