Linux ist längst nicht mehr nur etwas für alte Rechner oder Computerprofis. Wer zu Hause im Bachgau noch Windows 10 nutzt und über den Umstieg nachdenkt, kann mit Linux statt Windows heute spielen, Briefe schreiben, Videos schneiden und E-Mails verwalten – auf alten wie auf neuen Geräten und ohne Lizenzkosten. Zum Auftakt unserer losen Serie „Freie Software zu Hause“ zeigen wir, was im Alltag funktioniert und wo es noch hakt.
Hintergrund ist das Ende von Windows 10: Sicherheitsupdates gibt es für Privatleute nur noch über das ESU-Programm, längstens bis Oktober 2027. Wie man sich dafür anmeldet, steht in unserem Beitrag Windows 10 im Bachgau: Sicherheitsupdates bis Oktober 2027 sichern. Die Zeit bis dahin lässt sich gut nutzen, um Linux in Ruhe auszuprobieren.
Linux statt Windows: Mehr als eine Lösung für alte Rechner
Lange galt Linux als Notlösung, um einen betagten Laptop weiter zu nutzen. Das stimmt so nicht mehr. Aktuelle Linux-Systeme unterstützen moderne Prozessoren, Grafikkarten, WLAN und Drucker in den allermeisten Fällen von Haus aus, ohne dass man Treiber suchen muss. Viele Drucker funktionieren direkt über das Netzwerk.
„Linux“ ist dabei eigentlich nur der Kern des Systems. Für den Alltag wählt man eine sogenannte Distribution, also ein fertiges Paket mit Oberfläche und Programmen. Für Einsteiger bewährt haben sich zum Beispiel:
- Linux Mint – Startmenü, Taskleiste und Fenster erinnern stark an Windows, ideal für den ersten Umstieg.
- Kubuntu oder Fedora KDE – mit der modernen Oberfläche KDE Plasma, die sich sehr frei einrichten lässt.
- Ubuntu – weit verbreitet, viele Anleitungen im Netz.
Programme installiert man über einen App-Store, ähnlich wie auf dem Smartphone. Updates für System und Programme kommen gesammelt und kostenlos.
Spielen mit Steam unter Linux
Die größte Überraschung für viele: Auch Spielen klappt unter Linux inzwischen gut. Der Spieleanbieter Valve hat mit Proton eine Technik entwickelt, mit der die meisten Windows-Spiele aus der Steam-Bibliothek ohne Umwege unter Linux starten. Valves eigene Spielkonsole Steam Deck läuft selbst mit Linux. In der monatlichen Steam-Umfrage lag der Linux-Anteil im Frühjahr 2026 erstmals über fünf Prozent.
Ob ein bestimmtes Spiel läuft, verrät vorab die Datenbank ProtonDB, in der Spieler ihre Erfahrungen eintragen. Für Spiele aus anderen Läden wie GOG oder Epic gibt es Programme wie Heroic oder Lutris. Eine wichtige Einschränkung: Einige Online-Spiele mit tief ins System eingreifendem Schutz gegen Schummler, etwa Fortnite oder Valorant, laufen unter Linux nicht.
Büro, Fotos und Videoschnitt
Für die tägliche Arbeit gibt es freie Programme, die ihren Windows-Gegenstücken kaum nachstehen – viele davon laufen sogar auch unter Windows, sodass man sie vorab dort testen kann:
- Office: LibreOffice (Text, Tabellen, Präsentationen) öffnet und speichert Word- und Excel-Dateien. OnlyOffice orientiert sich optisch stark an Microsoft Office. Microsoft 365 selbst lässt sich im Browser nutzen.
- Videoschnitt: Kdenlive schneidet Urlaubs- und Vereinsvideos mit mehreren Spuren, Übergängen und Titeln. Auch Shotcut ist beliebt, und das Profiprogramm DaVinci Resolve gibt es ebenfalls für Linux.
- Fotos und Grafik: digiKam verwaltet große Fotosammlungen, darktable entwickelt RAW-Fotos, GIMP und Krita sind für Bildbearbeitung und Zeichnen da.
- Musik und Filme: VLC spielt nahezu jedes Format ab, Spotify gibt es als App.
Browser und E-Mail wie gewohnt
Beim Surfen ändert sich praktisch nichts: Firefox, Google Chrome, Brave, Vivaldi und sogar Microsoft Edge gibt es für Linux. Wer seine Lesezeichen und Passwörter im Browser synchronisiert, hat sie nach der Anmeldung sofort wieder. Wie man Zugangsdaten sicher aufbewahrt, erklären wir im Beitrag über Passwortmanager.
Für E-Mails ist Thunderbird die erste Wahl: Er verwaltet mehrere Postfächer, Kalender und Adressbücher und kann Mails aus dem Windows-Thunderbird übernehmen. Alternativen sind Evolution oder KMail. Onlinebanking, Videotelefonie im Browser und die Steuererklärung über ELSTER funktionieren wie unter Windows.
Wo es noch hakt
Ehrlicherweise gibt es Grenzen. Programme von Adobe wie Photoshop oder Premiere gibt es nicht für Linux. Auch manche Spezialsoftware, etwa für Steuer, Vereinsverwaltung, Stickmaschinen oder Modellbahnsteuerung, läuft oft nur unter Windows. Vor dem Umstieg lohnt deshalb eine Liste: Welche Programme brauche ich wirklich, und gibt es eine Alternative oder eine Browser-Version?
Gut zu wissen: So probieren Sie Linux gefahrlos aus
- Daten sichern: Fotos, Dokumente und Passwörter auf eine externe Festplatte kopieren.
- USB-Stick vorbereiten: Die gewünschte Distribution von der offiziellen Seite herunterladen und mit einem Programm wie Balena Etcher oder Ventoy auf einen USB-Stick schreiben.
- Live-System starten: Vom Stick gestartet, läuft Linux ohne Installation. So lässt sich prüfen, ob WLAN, Drucker und Bildschirm funktionieren – Windows bleibt unangetastet.
- Installieren: Gefällt es, kann Linux Windows ersetzen oder daneben installiert werden.
Hilfe beim Umstieg bietet die Initiative End of 10, die Anleitungen und eine Karte mit Anlaufstellen sammelt. In Schaafheim unterstützen die ehrenamtlichen Digi-Lotsen bei Technikfragen.
Häufige Fragen
Kostet Linux etwas?
Nein. Die genannten Distributionen und Programme sind kostenlos. Viele Projekte freuen sich über freiwillige Spenden.
Brauche ich Virenschutz?
Ein zusätzliches Virenschutzprogramm ist für Privatleute in der Regel nicht nötig. Wichtig sind regelmäßige Updates, Programme nur aus dem App-Store und Vorsicht bei Mail-Anhängen und Betrugsmaschen.
Laufen meine Windows-Programme trotzdem?
Manche ja: Mit der Software Wine bzw. Bottles starten viele Windows-Programme auch unter Linux. Eine Garantie gibt es aber nicht, deshalb vorher im Live-System testen.
Wie geht die Serie weiter?
Im zweiten Teil geht es um einen eigenen Heimserver mit Nextcloud und Immich für Dateien, Kalender und Familienfotos, im dritten Teil um Hausautomation mit dem Raspberry Pi.




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