Wie sicher fühlt man sich auf dem Rad zwischen Pflaumheim und Großostheim, auf dem Weg zur Schule nach Aschaffenburg oder auf der Ortsdurchfahrt in Kleinostheim? Genau das will der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) mit seinem Fahrradklima-Test 2026 herausfinden. Noch bis zum 30. November kann jede und jeder online bewerten, wie fahrradfreundlich der eigene Wohnort ist. Für die Gemeinden im Bachgau geht es dabei um eine ganz praktische Frage: Kommen sie überhaupt in die Wertung?
Was ist der Fahrradklima-Test?
Der Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahren in Deutschland. Er findet 2026 zum zwölften Mal statt, beim letzten Durchgang 2024 machten bundesweit rund 213.000 Menschen mit. Der Fragebogen umfasst 27 Fragen, etwa zur Breite und zum Zustand der Radwege, zur Führung an Kreuzungen und Baustellen, zum Abstellen von Rädern und zum Miteinander mit dem Autoverkehr. Das Ausfüllen dauert ungefähr zehn Minuten. Gefördert wird die Befragung vom Bundesverkehrsministerium aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans; die Ergebnisse samt Städteranking will der ADFC im Frühjahr 2027 vorstellen.
Neu ist in diesem Jahr ein Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen. Neben fünf zusätzlichen Fragen dazu gibt es erstmals einen eigenen Fragebogen für junge Leute zwischen 10 und 20 Jahren. Sie fahren andere Wege als Erwachsene, etwa zur Schule, zum Sportverein oder zu Freunden, und sehen deshalb auch andere Probleme. Außerdem werden die Kommunen selbst befragt, was sie für den Radverkehr tun.
Bayern sucht noch Stimmen
Nach Angaben des ADFC Bayern hatten sich bis zum 20. Oktober im Freistaat rund 23.000 Menschen beteiligt, knapp drei Viertel der Teilnahmen von 2024. Mehr als 1.000 bayerische Städte und Gemeinden haben die Mindestzahl an Antworten bisher nicht erreicht, aus unserer Region nennt der Landesverband ausdrücklich Hösbach. Die acht bayerischen Großstädte sind dagegen schon sicher in der Auswertung. Rund 1.300 Kinder und Jugendliche haben in Bayern bisher den neuen Jugend-Fragebogen ausgefüllt. Die Landesvorsitzende Eva Mahling betont, die Ergebnisse zeigten Kommunen und Land, wo im Alltag Lücken im Radnetz, unübersichtliche Kreuzungen oder sichere Wege für Kinder fehlen.
So schnitt Aschaffenburg 2024 ab
Aschaffenburg kam 2024 mit 348 Teilnehmenden auf die Gesamtnote 3,88. Unter den 113 Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern bedeutete das bundesweit Platz 35 und in Bayern sogar den Spitzenplatz dieser Größenklasse. Am besten bewerteten die Befragten, dass viele Einbahnstraßen für Räder in Gegenrichtung geöffnet sind (Note 2,1). Am schlechtesten fiel die fehlende Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen aus (5,2). Der ADFC-Kreisverband sieht deshalb vor allem beim Konflikt mit dem Autoverkehr Handlungsbedarf.
Aus dem Landkreis kamen 2024 Kahl (3,3), Kleinostheim (3,8), Hösbach (3,8), Bessenbach (3,9) und Mömbris (4,0) in die Wertung, im Landkreis Miltenberg Elsenfeld (3,6). Insgesamt beteiligten sich in der Region gut 1.000 Radfahrerinnen und Radfahrer.
Warum Großostheim fehlt
Damit ein Ort ausgewertet wird, braucht er je nach Einwohnerzahl mindestens 50, 75 oder 100 gültige Antworten. Für eine Gemeinde in der Größe Großostheims sind es 50. Diese Hürde hat der Markt zuletzt nicht genommen. 2020 war Großostheim zusammen mit Goldbach, Mainaschaff und Stockstadt erstmals in der Wertung, bei den Runden 2022 und 2024 tauchte es nicht mehr auf. Wer im Bachgau Rad fährt, kann das ändern: Schon wenige Dutzend Antworten aus Großostheim, Pflaumheim, Wenigumstadt und Ringheim reichen, damit der Markt wieder eine eigene Note bekommt. Für Schaafheim gilt dasselbe, die Gemeinde wird als hessischer Ort in der Landesauswertung für Hessen geführt.
Auf fkt.adfc.de zeigt eine interaktive Karte, wie viele Antworten aus jedem Ort schon eingegangen sind. Bei der Teilnahme wählt man einfach den Ort, in dem man am häufigsten Rad fährt.
Infostände des ADFC in der Region
Der ADFC Aschaffenburg-Miltenberg wirbt mit zwei Infoständen für die Befragung. Für Aschaffenburg hat sich der Kreisverband 500 Teilnahmen zum Ziel gesetzt, außerdem sollen Orte mit eigenen ADFC-Gruppen wie Kleinostheim und Bessenbach in die Wertung kommen.
- Freitag, 30. Oktober, 15 bis 18 Uhr: Markt in Kleinostheim, vor der Kinderkrippe in der Goethestraße
- Samstag, 31. Oktober, 11 bis 16 Uhr: Aschaffenburg, Herstallstraße, Ecke Diekmann
An den Ständen gibt es Postkarten, Lenkerhänger und Ausfüllbögen, auch für den Jugend-Fragebogen.
Häufige Fragen
Wer darf mitmachen?
Alle, die Rad fahren – ob täglich zur Arbeit oder gelegentlich am Wochenende. Eine ADFC-Mitgliedschaft ist nicht nötig. Für 10- bis 20-Jährige gibt es den eigenen Jugend-Fragebogen.
Wie lange dauert es?
Rund zehn Minuten. Die Befragung läuft online bis zum 30. November 2026.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Der ADFC veröffentlicht sie im Frühjahr 2027 für jede Stadt und Gemeinde, die genug Antworten hat. Viele Kommunen und ADFC-Gruppen nutzen die Noten und Freitextkommentare, um konkrete Schwachstellen anzugehen – der ADFC in Kleinostheim etwa ist 2025 die in den Kommentaren genannten Problemstellen mit dem Rad abgefahren.
Mehr zum Radfahren im Bachgau
Am Sonntag lädt der ADFC Kinder und Familien zur Monster Mass in Aschaffenburg ein. Warum beim Überholen 1,5 Meter Abstand vorgeschrieben sind, erklären wir im Beitrag Abstand zu Radfahrern. Wer mit dem Rad nach Aschaffenburg fährt, sollte die Sperrungen an Adenauerbrücke und Ringstraße im Blick behalten.
Termine im Kalender: Infostand Kleinostheim (30. Oktober) und Infostand Aschaffenburg (31. Oktober) – auf wohin.bachgau.social lassen sie sich direkt in den eigenen Kalender übernehmen.




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