Die Heizung drosseln, wenn das Fenster offen ist, eine Nachricht aufs Handy, wenn die Waschmaschine fertig ist, und auf einen Blick sehen, was das Balkonkraftwerk heute geliefert hat: Mit einem Smart Home mit Raspberry Pi und der freien Software Home Assistant geht das auch im Bachgau ohne Cloud eines Herstellers. Im dritten Teil unserer losen Serie „Freie Software zu Hause“ zeigen wir, wie der Einstieg gelingt.
Zuvor ging es um Linux statt Windows und um einen eigenen Heimserver mit Nextcloud und Immich.
Smart Home mit Raspberry Pi: Was Home Assistant kann
Home Assistant ist eine kostenlose Steuerzentrale für das vernetzte Zuhause. Sie bringt Geräte verschiedenster Hersteller unter eine Oberfläche: Thermostate, Lampen, Steckdosen, Rollläden, Bewegungsmelder, Wetterstationen oder Wechselrichter. Statt fünf Apps gibt es eine, und die Regeln dafür legt man selbst fest.
Der große Vorteil: Home Assistant arbeitet lokal im eigenen Netz. Licht und Heizung funktionieren auch dann, wenn das Internet ausfällt oder ein Hersteller seinen Clouddienst einstellt – was bei Smart-Home-Geräten immer wieder vorkommt. Und die Daten darüber, wann jemand zu Hause ist, bleiben im Haus.
Was man für den Start braucht
- Raspberry Pi 4 oder 5 mit Netzteil und Gehäuse. Statt einer Speicherkarte ist eine kleine SSD zuverlässiger, weil Speicherkarten bei Dauerbetrieb verschleißen.
- Home Assistant OS, das sich mit dem Programm Raspberry Pi Imager direkt auf den Speicher schreiben lässt. Alternativ gibt es fertige Geräte wie Home Assistant Green, auf denen alles vorinstalliert ist. Auch ein Mini-PC oder der Heimserver aus Teil 2 kann die Aufgabe übernehmen.
- Einen USB-Funkstick für Geräte mit dem Funkstandard Zigbee oder Thread, falls solche genutzt werden.
Nach dem Start findet Home Assistant viele Geräte im Heimnetz automatisch, etwa Router, Drucker, Fernseher oder WLAN-Steckdosen. Die Bedienung läuft im Browser oder über die App für Android und iPhone.
Funkstandards: Zigbee, Matter und WLAN
Beim Kauf neuer Geräte lohnt ein Blick auf den Funkstandard. Zigbee ist bei Lampen, Sensoren und Heizkörperthermostaten verbreitet, sparsam und funktioniert lokal. Der neuere Standard Matter soll Geräte verschiedener Marken herstellerübergreifend zusammenbringen. Viele WLAN-Geräte, etwa Zwischenstecker mit Strommessung, lassen sich ebenfalls lokal einbinden. Vorsicht bei Billiggeräten, die nur über eine Hersteller-Cloud funktionieren.
Ideen für den Alltag
- Heizkosten sparen: Heizkörperthermostate nach Zeitplan steuern und bei offenem Fenster automatisch herunterregeln.
- Stromverbrauch sehen: Mit einem Lesekopf am digitalen Stromzähler und Zwischensteckern mit Messung zeigt das Energie-Dashboard, wo der Strom bleibt. Für alle Werte des Zählers braucht man oft eine PIN vom Messstellenbetreiber.
- Balkonkraftwerk: Viele Wechselrichter lassen sich auslesen, so sieht man den Ertrag des Tages. Was bei der Anmeldung eines Steckersolargeräts zu beachten ist, regelt der Netzbetreiber.
- Benachrichtigungen: eine Meldung aufs Handy, wenn die Waschmaschine fertig ist, der Wassermelder im Keller anschlägt oder die Garage offen steht.
- Licht: Flurlicht per Bewegungsmelder, Außenbeleuchtung nach Sonnenuntergang.
Weitere beliebte Projekte für den Raspberry Pi sind zum Beispiel Pi-hole, das Werbung und Tracker für alle Geräte im Heimnetz filtert, oder eine eigene Wetterstation.
Gut zu wissen: Sicherheit und Elektrik
Arbeiten an der 230-Volt-Hausinstallation, etwa Unterputz-Schalter oder fest eingebaute Aktoren, gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Für Laien bleiben Zwischenstecker, batteriebetriebene Sensoren und Thermostate.
Auch die Steuerzentrale braucht Pflege: regelmäßige Updates und eine Datensicherung, die Home Assistant automatisch anlegen kann. Für den Zugriff von unterwegs gilt wie beim Heimserver: lieber per VPN als mit offenen Ports im Router. Allgemeine Hinweise zur Sicherheit vernetzter Geräte gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf seiner Verbraucherseite.
Häufige Fragen
Muss ich programmieren können?
Nein. Automationen lassen sich in Home Assistant über Menüs nach dem Muster „Wenn …, dann …“ zusammenklicken. Für Sonderwünsche gibt es eine große Gemeinschaft mit Anleitungen.
Funktionieren meine vorhandenen Geräte?
Sehr wahrscheinlich, denn Home Assistant unterstützt Geräte vieler bekannter Hersteller. Eine Liste der Integrationen steht auf der Projektseite.
Was kostet der Einstieg?
Die Software ist kostenlos. Für Hardware fallen je nach Ausstattung einmalig Kosten an; ein optionales Abo des Projekts bietet bequemen Fernzugriff und Sprachsteuerung und finanziert die Entwicklung mit.




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